Andreas Singler gehört zu den wenigen Fachleuten, die den Kampf gegen Doping glaubwürdig führen. Zusammen mit Gerhard Treutlein brachte Singler schon 2001 über alle Widerstände hinweg eine Studie zum "Doping im Spitzensport" heraus. Sie gilt heute als Standardwerk bei dem Versuch, auch mit Hilfe von anonymisierten Interviews ein realistisches Bild vom Dopinggeschehen in Deutschland zu zeichnen. Singler und Treutlein klären aber nicht nur auf. Sie versuchen auch, junge Athletinnen und Athleten sowie Verantwortliche des Sports von vornherein so zu schulen, dass diese sich gar nicht erst einlassen auf den Betrug. Die beiden entwickeln Konzepte zur Vorbeugung, also zur Prävention. Im Kampf gegen Doping käme der Prävention eine Schlüsselrolle zu, wenn sie denn wirklich ernsthaft und mit modernen Methoden betrieben würde – und zwar schon von Anfang an, also in den Landesverbänden. Die zumeist ehrenamtlich tätigen Vertreter der Verbände und Trainer an der Basis des Spitzensports würden dabei aber weitgehend im Stich gelassen, wie Singler in seinem neuen Buch "Dopingprävention – Anspruch und Wirklichkeit" schreibt. Singler lässt seine Gesprächspartner anonym zu Wort kommen. Viele erklären, dass sie beim Thema Doping restlos überfordert seien. Sie sähen sich zwar mit einer Flut von Broschüren und Regelwerken konfrontiert. In der Praxis würden diese aber gar nicht erst gelesen – geschweige denn verstanden. In der Folge fehle den Übungsleitern und Funktionären nicht nur die Zeit, sondern oft schon das nötige Wissen, um junge Talente umfassend schulen und stärken zu können in ihrem Wunsch, Spitzensport ehrlich zu betreiben und allen Versuchungen in der Zukunft zu widerstehen. Genau hier müsste der Kampf gegen Doping, wollte man ihn konsequent führen, aber beginnen.