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65,80 €
ISBN 978-3-8191-0722-1
Softcover
366 pages
6 figures
470 g
21 x 14,8 cm
German
Thesis
May 2026
Huize Zhou
Shanghais „Sieben Sängerinnen“: Biographien, Identität und Repräsentation zwischen Tradition und Moderne
Zwischen Jazz und Melancholie, zwischen kolonialem Nachtleben und patriotischem Pathos – im Shanghai der 1930er- und 1940er-Jahre entstand eine einzigartige Musikkultur, deren ikonische Gesichter sieben Frauen waren: Bai Guang, Bai Hong, Gong Qiuxia, Li Xianglan (Yoshiko Yamaguchi), Wu Yingyin, Yao Li und Zhou Xuan. Unter dem retrospektiven Sammelbegriff der „Sieben großen Gesangsstars des alten Shanghai“ bekannt, wurden sie zu Symbolfiguren urbaner Modernität. Doch wer waren diese Künstlerinnen, die als „goldene Stimmen“ und „Silberne Stimmen“ gefeiert, aber auch als „dekadent“ verfemt wurden, jenseits ihres glamourösen Images?
Diese musikwissenschaftliche Studie wirft erstmals einen vergleichenden, genderkritischen Blick auf die Biografien und das musikalische Schaffen dieser sieben Sängerinnen. Eingebettet in den historischen Schmelztiegel Shanghais – einer Stadt zwischen westlichen Konzessionen, japanischer Besatzung und chinesischem Bürgerkrieg – wird minutiös rekonstruiert, wie die Frauen ihre Karrieren in einer männlich dominierten Kulturindustrie nicht nur aufbauten, sondern aktiv gestalteten. Die Analyse zeigt, wie sie strategisch zwischen den Rollenbildern der traditionsverbundenen Neuen Frau und der konsumorientierten Modernen Frau navigierten, um künstlerische und persönliche Autonomie zu erlangen.
Die Arbeit verbindet dichte biografische Fallstudien mit detaillierten Musikanalysen von Klassikern wie The Wandering Songstress, Roses Bloom Everywhere und Fragrance in the Night. Anhand von Homi K. Bhabhas Konzept des „Dritten Raums“ wird die hybride musikalische Sprache dieser Shanghai Songs entschlüsselt, in denen sich chinesische Pentatonik, westlicher Jazz und lateinamerikanische Rhythmen zu einem völlig neuen Klangkörper verbanden. So wird hör- und sichtbar, wie in den Liedern nicht nur ein moderner urbaner Sound, sondern auch ein vielschichtiges, von Ambivalenzen durchzogenes Bild von Weiblichkeit konstruiert wurde.
Abschließend wird der Bogen in die Gegenwart gespannt: Wie und warum werden diese Sängerinnen seit den 1990er-Jahren in China, Japan und der Diaspora neu mythologisiert? Wie werden ihre Lebensgeschichten in staatlichen Medien und alternativen Erinnerungsnarrativen zwischen Nostalgie und Ideologie neu verhandelt?
Indem das Buch die Lebenswege, Stimmen und Mythen dieser sieben Ausnahmekünstlerinnen erstmals systematisch vergleichend untersucht, leistet es einen grundlegenden Beitrag zur chinesischen Musikgeschichte, zur globalen Populärkulturforschung und zur musikwissenschaftlichen Genderforschung. Es zeichnet ein facettenreiches Porträt weiblicher Handlungsmacht an der Schnittstelle von Tradition, kolonialer Moderne und politischem Umbruch.
Keywords: 20. Jahrhundert; Republik China; Shanghai; Sängerinnen; Frauenbild; chinesische populäre Lieder
About the author:
Huize Zhou promovierte im Fach Musikwissenschaft am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle zwischen historischer Musikwissenschaft, Gender Studies und ostasiatischer Populärkultur.
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Electronic publication (PDF): 978-3-8191-0664-4
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